Freundinnen-Briefe

„Wort des Monats“

Das „Wort des Monats“ – für dich

An dieser Stelle erscheint – mehr oder weniger regelmäßig – monatlich der Freundinnen-Brief. Von Pastoren-Ehefrauen für Pastoren-Ehefrauen. 
 


August 2018

Von Janita Pauliks

Die verschmierte Brille


"Manchmal sehen wir nicht gut"

Ist dir das auch schon einmal so gegangen: Du läufst den ganzen Tag mit deiner Sonnenbrille auf der Nase herum. Dann am Abend nimmst du sie ab und siehst durch Zufall, wie verschmiert die Gläser sind... "Unglaublich! Wie konnte ich überhaupt etwas sehen?", fragst du dich.

Manchmal ergeht es uns mit Gott genauso. Wir haben so viele Probleme, Fragen, Herausforderungen, mit denen wir uns in der Gemeindearbeit und im privaten Leben herum schlagen, dass wir Gottes Gnade nur noch schemenhaft sehen können.

In meinem letzten halben Jahr ging es sehr turbulent zu. Mein Mann und ich haben viele tolle Aktionen in der Gemeinde und der Region gestemmt. Während viele tolle Dinge passierten und wir als Gemeinde beschlossen hatten neue Wege einzuschlagen, z.B. unser Haus weiter auszubauen, damit noch mehr Leute Platz bekommen würden, entschloss sich die Frau eines Ältesten, nicht mehr in die Gemeinde zu kommen. Ihr Mann entschied sich mit schweren Herzen dafür, mit ihr zu gehen. Zum Abschied bekamen einige aus der Gemeinde einen langen Brief mit Erklärungen, in dem vieles, was wir bisher getan hatten, in Frage gestellt wurde. Mich traf die ganze Situation sehr hart. In den nächsten Wochen versuchte ich immer wieder, all den Frust und die Verzweiflung Gott abzugeben und mein Herz davon zu befreien. Aber meine Brille behielt Dreckspuren, die sich wie eine graue Schmierschicht auf den Gläsern ablagerte.
Als dann nach einigen Monaten noch finanzielle Nöte und Druck dazu kamen, tappte ich gefühlt im Dunkeln. Ich fühlte mich allein gelassen von Gott. "Er hatte uns völlig vergessen." Frust, Verzweiflung und Sehnsucht nach seiner Nähe nagten an mir. Ich versuchte so sehnlichst ihn in Allem zu erkennen, aber meine verschmierten Brillengläser ließen es nicht zu.

Einige Wochen später, wir waren gerade auf dem Weg nach London zur Hillsongkonferenz, schrie ich innerlich zu Gott. Unsere Teens freuten sich riesig auf die Konferenz, aber ich brauchte jetzt alles andere als ein mega Event mit vielen Leuten. Ich schrie innerlich zu Gott und bat ihn, dass er mir begegnen würde, dass ich ganz persönlich seine Stimme hören würde.
Am nächsten Tag begann die Konferenz mit einem faszinierenden Opening. Alle waren begeistert, nur ich saß auf meinem Platz und konnte nur weinen. Die wunderschönen Lieder machten mich fast wütend, weil ich mich so anders fühlte. Am liebsten wäre ich schreiend nach Hause gelaufen, aber ich blieb - für meine Familie. Am Tag darauf wurde wieder ein wunderschönes Lied nach dem anderen gespielt und ich konnte nur weinen. (Zum Glück war es in der Halle dunkel - da bemerkte es niemand um mich herum.) Meine Tränen flossen nur noch so an meinem Gesicht herab. Nach dem Lobpreis trat Brian Houston auf die Bühne und sagte: "Gott hat alle deine Tränen gesehen und er wird sie in etwas Gutes umwandeln." Ich traute meinen Ohren und meinem Englisch nicht, als ich das hörte. "Wenn hier irgend jemand Tränen vergossen hatte, dann war das wohl ich", stellte ich fest. In den nächsten Minuten benutzte Gott Brian Houston, nur um zu mir zu reden. (So kam es mir zumindest vor.) Ich konnte es nicht fassen. Gott sprach persönlich zu mir in einer Versammlung von 10.000 Menschen.

"Jede Träne hast du gezählt, ja, alle sind in deinem Buch festgehalten." Psalm 56:9

Mit jedem Lied, das danach gesungen wurde und Bibelversen, die Gott benutzte, um zu meinem verzweifelten Herzen zu reden, wurde meine Brille sauberer. Plötzlich konnte ich wieder sehen, was Gott in der harten Situation für uns getan hatte und wie er für mich gestritten hatte. 

Gott schafft es, uns zu begegnen. Manchmal muss er dazu ganz behutsam die Dreckschichten unserer Brille abputzen. Manchmal sind es nur ein paar Staubkrümel, die er wegwischt, damit wir sein Herz sehen können. Aber er ist da und sieht dich in deiner Freude und deiner Traurigkeit!

"Als ich um Hilfe schrie, hast du mich erhört und mir neue Kraft geschenkt." Psalm 138:3

Hillsong Conference 2018 - London

Zum Entspannen :)
Melone-Rhabarber-Limonade

Püriere eine kleine Wassermelone mit einem Liter Rharbarbernektar und 1/2 Liter Wasser. Dann rührst du noch Saft einer ausgepressten Zitrone darunter. Mit Eiswürfeln in ein Glas füllen und genießen. (Dazu eine lustige Lotti Pfefferbrot-Geschichte lesen ;) )

Janita Pauliks

© Fotos: Janita & Rainer Pauliks