Freundinnen-Briefe

„Wort des Monats“

Freundinnen-Briefe

Das „Wort des Monats“ – für dich

An dieser Stelle erscheint – mehr oder weniger regelmäßig – monatlich der Freundinnen-Brief. Von Pastoren-Ehefrauen für Pastoren-Ehefrauen. 
 


April 2018

 Von Petra Thalmann

Ostern ändert alles!


Liebe Pastorenehefrau,

Ostern ändert alles! Zwei einzelne Verse aus dem Matthäus-Osterbericht erzählen ganz besonders davon. Sie sind nur eine Momentaufnahme, aber sie fließen über an Bedeutung und Aussagekraft. Sie sagen: Ostern ändert alles.

Wie aus einer Raupe durch wundersame Verwandlung ein am Himmel fliegender bunter Schmetterling wird, so macht Gott an Ostern eine unglaubliche Verwandlung – mit Jesus, mit den Jüngerinnen und Jüngern und – wenn wir wollen  – auch mit uns.

Ostern ändert alles: aus Karfreitagsschreck wird Osterlachen, aus Todesangst wird Lebenslust, aus Grabgesang wird Siegeshymne. Die Sackgasse entpuppt sich als Durchgangsstation, das Grab wird zur Dunkelkammer, in der sich aus den negativen ganz neue Bilder vom Leben entwickeln.

"Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu  sehen" (MT 28,1) ... und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen." (Mt 28, 8).

Bei Beerdigungen werde ich immer an diese beiden Verse erinnert. Es fängt damit an, dass wir mit einer Trauerfamilie und mit dem Sarg von der Friedhofshalle zum Grab ziehen, mal mit mehr, mal mit weniger Trauergästen hinterher. Wir gehen langsam, nie eilig, selbst wenn es stürmt oder regnet: Der Gang zum Grab ist ein langsamer, ein bedächtiger, ja schwerfäliger Weg. Das fällt nun mal schwer.

Die Trauer macht die Beine schwer, der Abschied geht langsam vor sich, fortschreitend, unwillig, fast widerwillig, schrittweise dem Grab und dem endgültigen Abschied entgegen.

Wenn ich vom Grab wieder weggehe, meinen Weg allein zurückgehe, dann komme ich an vielen Kreuzen vorbei. Sie sind in die Grabsteine eingemeißelt. Und dann fallen mir die Frauen am Ostermorgen ein.

Zurück geht es ziemlich schnell, nicht weil wir es eilig haben, sondern weil es uns ins Leben zurückzieht. Und da sind die Frauen der Ostergeschichte ganz gegenwärtig – es ist die einzige Geschichte, in der jemand auf dem Friedhof rennt. Zuerst sind sie im Trauermarsch angekommen, sie wollen Jesus die letzte Ehre erweisen.

Und dann kommt die große Verwandlung, die den am Boden Kriechenden regelrecht Flügel wachsen lässt. Sie werden wie Schmetterlinge zu Boten eines neuen Frühlings.

Sie rennen zurück ins lachende Leben, mit der unglaublichen Botschaft auf den Lippen und im Herzen, dass Gott die große Verwandlung gelungen ist.

Natürlich ist das nicht einfach, mal eben so gemacht. Diese Nachricht ist ja nicht zu fassen, sie ist mehr als irgendjemand begreifen kann.

Kein Wunder also, dass sie nicht nur leicht wie Schmetterlinge davontänzeln, sondern dass sie auch Schmetterlinge im Bauch haben: Die Mischung macht's, das Hin- und Hergerissensein der Frauen – es heißt da "Furcht und große Freude". Das ist der Stoff, aus dem die Osterträume sind: Gott nimmt uns die Angst und wir spüren die unglaubliche Tragweite der Auferstehung Jesu.

Entscheidend aber ist der neue Bewegungsablauf: aus dem Trauermarsch wird ein Siesgeszug, wir schleichen nicht mehr dem Tod hinterher, sind nicht nur die geschlagenen Hinterbleibenen. Wir verharen nicht in der Totenstille.

Ostern ändert alles und macht uns Beine und Hoffnung, lässt uns das Leben neu angehen. Wir laufen in einem  neuen Sinn um unser Leben. Diesmal nicht von der Angst verfolgt, sondern in der Nachfolge. Wir laufen dem nach, der die Angst überwunden hat.

Wir werden immer wieder zum Freudhof gehen müssen, aber wir wissen gleichzeitig, dass der Weg ans Grab keine Einbahnstraße ist und dürfen daran denken, wie die Frauen damals nicht ohne Grund gerannt sind. Sie mussten die Nachricht in Umlauf bringen, dass Gottees Pläne mit uns sich als Verwandlung hinüber in die Ewigkeit erweisen.

Ostern bricht unsere engen Grenzen auf und weitet unsere kurze Sicht. Laufen lernen, nicht davon, sondern drauflos und draufzu.

Ich komme gerne mit, weniger mit Furcht, aber mit sehr viel Freude. Und ich bin sicher, wir werden dabei Schmetterlingserfahrungen sammeln und Blütenträume entdecken – laufend!

In diesem Sinne,

gesegnete Ostern!! 

Petra